Zwischen Inspiration und Überforderung
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Warum das kreative Dazwischen Zeit braucht – und warum Social Media es uns oft schwerer macht
Es gibt Phasen im Leben – und ganz besonders im kreativen Arbeiten –, da steht man an einem stillen Übergangspunkt.
Etwas ist abgeschlossen. Und das Neue ist noch nicht ganz da.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl.
Man spürt, dass etwas Neues kommen will. Dass es an das anknüpft, was war. Aber eben nicht dasselbe ist. Noch ohne klare Form, ohne Titel, ohne endgültige Sprache.
Gerade in diesen Momenten sind wir besonders empfänglich für äußere Einflüsse. Und selten war der Zugang zu Inspiration so leicht – und gleichzeitig so überfordernd – wie heute.
Das Versprechen von Inspiration – und warum sie oft verpufft
Instagram, Reels, Kurzvideos, endlose Feeds.
Ein Feuerwerk an Bildern, Techniken, Stilen, Ideen. Sekundenweise Hochgefühle. Kurze Momente des „Ah, wow!“.
Doch genau hier liegt das Problem.
Was wir oft als Inspiration bezeichnen, ist neurologisch betrachtet etwas anderes: ständige Reizwechsel. Unser Gehirn liebt Neues, Überraschendes, Schnelles. Jeder neue Clip setzt kurzfristig Dopamin frei – das Belohnungshormon. Doch dieser Effekt hält nicht lange an.
Studien zeigen, dass häufiges, schnelles Wechseln zwischen Inhalten:
- die Aufmerksamkeitsspanne verkürzt
- das Arbeitsgedächtnis ermüdet
- und die Fähigkeit zur tieferen Verarbeitung reduziert
Das Ergebnis:
Man fühlt sich „inspiriert“, ist aber innerlich unruhig, zerstreut, müde. Die Eindrücke bleiben an der Oberfläche. Sie verbinden sich nicht. Sie setzen sich nicht.
Für kreative Prozesse – die Zeit, Ruhe und innere Kohärenz brauchen – ist das eine ungünstige Kombination.
Wenn Vergleiche beginnen, leise zu nagen
Hinzu kommt ein weiterer Effekt: der Vergleich.
In Phasen, in denen man selbst noch sucht, noch tastet, noch kein fertiges Bild vor sich hat, wirken die scheinbar fertigen Werke anderer besonders stark. Man sieht Ergebnisse – aber nicht die Wege dorthin. Nicht das Ringen. Nicht das Verwerfen. Nicht die Zweifel.
Das kann dazu führen, dass man beginnt, sich selbst infrage zu stellen:
- Bin ich gut genug?
- Ist das, was ich mache, relevant?
- Sollte ich anders arbeiten?
Vergleiche sind menschlich. Aber sie sind selten fair.
Und sie sind besonders laut, wenn wir innerlich gerade noch keine klare Antwort haben.
„Mit einer Idee schwanger sein“
Mein Vater hat für diesen Zustand einen Satz, den ich sehr liebe:
„Du bist gerade mit einer Idee schwanger.“
Dieser Gedanke hat etwas ungemein Beruhigendes.
Denn er nimmt den Druck heraus. Er erlaubt Unschärfe. Er anerkennt, dass Wachstum Zeit braucht – im Inneren genauso wie im Außen.
Neurologisch betrachtet ist das gar nicht so poetisch, sondern sehr logisch:
Kreative Einsichten entstehen oft dann, wenn das Gehirn nicht permanent mit neuen Reizen geflutet wird, sondern Verbindungen knüpfen darf. In Ruhe. In Wiederholung. In scheinbarer Leere.
Viele Studien zur Kreativität zeigen:
Die entscheidenden Impulse entstehen oft nicht im Konsum, sondern im Abstand davon.
Bei sich bleiben statt alles abzusuchen
Gerade wenn man auf der Suche ist, ist die Versuchung groß, alle Plattformen „abzugrasen“. Noch ein Video. Noch ein Stil. Noch eine Idee.
Doch manchmal liegt die Lösung nicht draußen.
Sondern innen.
Bei sich zu bleiben heißt nicht, sich abzuschotten.
Es heißt:
- bewusster zu konsumieren
- Pausen zuzulassen
- Langeweile nicht sofort zu füllen
Es heißt, dem eigenen inneren Prozess zu vertrauen – auch wenn er noch keine klare Form hat.
Der Wert des Dazwischen
Ich befinde mich genau in so einer Phase.
Ich habe Ideen für eine neue Serie. Ich weiß grob, worum es gehen soll. Aber vieles ist noch verschwommen, noch nicht benannt.
Und ich versuche, das zu genießen.
Weil es eine Phase ist, in der noch nichts festgeschrieben ist.
In der alles offen ist.
In der ich genau das leben darf, was ich am Malen und Zeichnen so liebe: den Prozess.
Dieses leise Weitergehen.
Noch ein Strich.
Noch etwas Tiefe.
Mehr Ruhe.
Vertrauen als kreative Praxis
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis:
Nicht jede Phase muss produktiv aussehen, um produktiv zu sein.
Manchmal ist das größte Wachstum unsichtbar.
Und manchmal ist der mutigste Schritt, nicht sofort zu reagieren, sondern zu warten.
Die innere Lösung kommt.
Sie braucht nur Raum.
Wenn du meine Arbeit und meine Gedanken begleiten möchtest, findest du hier weitere Einblicke in meinen Prozess – oder du trägst dich gerne in meinen Newsletter ein.
Und vielleicht befindest du dich gerade selbst irgendwo zwischen „fertig“ und „noch nicht ganz“.
Dann darfst du wissen: Das ist kein Stillstand.
Das ist Bewegung. 🌿





